Von Bananenrepubliken und anderen Schweinereien

Im Herzen Europas gibt es ein Land, mit der schönen Abkürzung: BRD. Für was vor allem der erste Buchstabe dieser Abkürzung steht ist nicht restlos geklärt. Bescheuerte Republik? Benutzerfreundliche Republik? Bananenrepublik? Ja, Letzteres muss es sein, waren es doch schon vor mehr als drei Jahrzehnten jene zauberhaften Südfrüchte, die die eigentliche Anziehungskraft auf die eingemauerten Brüder und Schwestern in dem weniger bananengesegneten Teil Deutschlands ausübten.

Lange Zeit dachte man, es wäre das Bedürfnis nach Demokratie und Freiheit gewesen, das die Honneckers und Mielkes hinwegfegte, aber angesichts jüngster Wahlergebnisse in verschiedenen Bundesländern der mittlerweile blühenden Landschaften, darf diese Motivation zumindest infrage gestellt werden. In jedem Fall: Bananen sind seitdem in ganz Deutschland problemlos zu bekommen. Doch käuflich erwerbbare Bananen ist nicht das einzige, was eine echte Bananenrepublik ausmacht. Käuflich erwerbbare Politik und die entsprechenden Entscheidungen durch deren ausführende Organe gehört schon auch dazu. Denn warum sollen Politiker weniger käuflich sein, als Bananen?

Es wäre schließlich völlig entgegen jeder Logik des real existierenden Prinzips von Angebot und Nachfrage, in jener per Definition gottgewollten Staatsform, wo immer DAS im öffentlichen Interesse ist, was den meisten Profit bringt. Zumindest für diejenigen, die es sich leisten können. Womit der Begriff Leistungsträger direkt einen völlig neuen, durchaus realitätsnahen Touch bekommt. Benutzerfreundlich eben!

Res Publica, die öffentliche Angelegenheit von denjenigen die vorgeben, das Volk zu sein. Ein Volk, eine Volksgemeinschaft zu der freilich nicht jeder Zutritt hat. Die richtige Hautfarbe, die richtigen, möglichst reichen Elternhäuser und eine notwendige Portion Skrupellosigkeit gehören schon auch dazu, um mitspielen zu dürfen.

So wie etwa in Wolfsburg, wo das schlimmste Vergehen nicht etwa war, die Kunden eines „Wir-sind-das-Volk..(swagen)-Konzernes“ zu verarschen, dass die Wände wackeln, sich die Balken biegen und fast schon ein wenig Wut unter der deutschen Zipfelmütze hervorquellen zu lassen, sondern: sich dabei erwischen zu lassen. Weshalb die Herren Winterkorns, Müllers und wie sie alle heißen auch zerknirscht vor die Kamera traten und versicherten: es wird nie wieder passieren (dieser infame Verstoß gegen das 11. Gebot).

Nur wenig weiter westlich von Wolfsburg liegt der Landkreis Gütersloh mit der schönen Metropole Rheda-Wiedenbrück. Klingt wie Müller-Lüdenscheid, nur viel besser, weshalb anlässlich dieser geografischen Wortschöpfung selbst Loriot seinerzeit vor Neid erblasst sein dürfte.

Hier also vegetieren sie, die armen Schweinge, nicht nur die 30000 rosafarbenen, die täglich (!) in einer hier ansässigen milliardenschweren Produktionsstätte für industriell gefertigte Magenfüllungen zu gepresstem Gammelfleisch verwurstet werden, sondern auch die zweibeinigen, die der heimatlichen rumänischen und bulgarischen Korruption dadurch zu entfliehen versuchten, indem sie sich in ein Land begaben, wo Korruption fachmännischer getarnt ist und den schönen und unverfänglichen Namen Lobbyismus trägt. Lobbyismus, der sich zeigt in Form von Subunternehmen, die den rumänischen und bulgarischen Arbeitssklaven großzügige drei Euro pro Stunde zahlen. Welch soziale Großtat, ist das doch mindestens drei Mal so viel, wie sie in der Heimat bekämen. Andere vermieten schlimmelige Werkswohnungen mit schimmeligen Bädern von 50 qm für 1500 €. Subunternehmen, von deren Machenschaften niemand etwas weiß, weil niemand etwas davon wissen will. Ein lebensnahes Beispiel für das Prinzip: macht, was Ihr wollt, solange wir es nicht offiziell sehen müssen. Denn im Zweifelsfall sind Geiz und der entsprechende Profit immer noch um Längen geiler als menschen- und tierwürdige Arbeitsbedingungen.

Wie war das noch mit Mietspiegel, Mietpreisbremse, Arbeitnehmerrechten, Mindestlöhnen? Aber nicht doch! Das wäre ja die Ausgeburt jenes unerhörten S-Wortes – nicht nur die Pest sondern auch die Cholera des deutschen Unternehmertums. Regeln, an die man sich zu halten hat. Gott – und die christliche Partei mögen sich erbarmen, was sie bisher auch immer schön brav getan haben. Natürlich nicht ganz für umme, aber so ein bisschen Schmiermittel kann erstaunliche Dinge bewirken, wenn es darum geht, bestimmte kreative Formen des deutschen Unternehmertums, sowohl im Hinblick auf die zweibeinigen, wie auch die vierbeinigen – rosafarbenen, geflissentlich zu übersehen. Ein Erfolgsmodell, das auch eine aus Bad Kreuznach stammende, sich angeblich um Verbraucherschutz kümmernde ehemalige Weinkönigin seit Jahren erfolgreich umsetzt.

Gute Vorbilder und Lehrmeister hat der Herr aus Rheda-Wiederbrück mehr als genug. Als Vorstandsvorsitzender des 1. FC Gazprom aus Gelsenkirchen weiß er die gute Bekanntschaft mit einem echten Mann, der mit nacktem Oberkörper nicht nur den sibirischen Tiger, sondern auch die heimische Opposition erschaudern lässt, zu schätzen. Mit Zweitnamen auch „Huilo“ genannt, setzt er seit nunmehr zwei Jahrzehnten einem radikal-liberalen „wir sind das Volk“, ein deutlich einfacher zu handhabendes „das Volk bin ich“ erfolgreich entgegen. Die ungemein praktische Institution des Gulags gibt dort nämlich noch. Ohne lästiges Rechtsstaatsgedöns, ohne unangenehme Gewerkschaften, ohne übereifrige Gesundheitsämter, dafür mit Fenstern aus denen störende Aktivisten auch schon mal raus fallen können, wenn deren Aktivitäten einigen selbst ernannten Eliten miss-fallen. Wenig überraschend, dass Investitionen im Land der slawischen Seele unter derartigen politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen der deutschen Wirtschaft hoch attraktiv erscheinen.

Vor diesem Hintergrund erscheint es kaum verwunderlich, dass der Hauptnutznießer der Spendenbereitschaft des Herrn Tünnes (sein wirklicher Name ist mir leider entfallen) – die christliche Partei des deutschen Rust Belts , samt einem nicht namentlich genannten Schmierlappen an der Spitze – die Sanktionen gegen den Kreml lieber übergestern als vormorgen aufheben möchte.

Alles wäre gut gegangen, wäre nicht auf einmal in Rheda-Wiedenbrück so ein unerfreuliches Covid 19 Virus aufgetaucht, wo es doch um besagte Firma bisher so einen schönen Bogen gemacht hatte. Sagt zumindest die Landesregierung. Aber nein, plötzlich erdreisten sich die Arbeitssklaven aus dem europäischen Südosten, krank zu werden. Mal ehrlich: dafür wurden sie nun wirklich nicht eingestellt. Man kann sich die menschliche Enttäuschung des Konzernchefs lebhaft vorstellen. Denn wer in aller Welt kann ahnen, dass katastrophale Arbeitsbedingungen und überfüllte Gemeinschaftsunterkünfte auch gewissen destruktiv gesinnten Viren gefallen könnten? Sollte etwa am Ende grobe Fahrlässigkeit, als unvermeidbarer Kollateralschaden des allgegenwärtigen Geiz-ist-geil und billig-billig-billig-Spiels tatsächlich im Spiel gewesen sein?

Doch was eine echte Bananenrepublik ist: es wird schon gut gehen, zumindest für Herrn Tünnes, (oder wie er heißt). Der Lockdown kommt und wird auch wieder gehen. Die regionale Wirtschaft wird zusammenbrechen, Tausende von Menschen werden arbeitslos werden, etliche werden sterben, aber für ihn wird es keine Folgen haben. Der deutsche Steuerzahler wird die Kosten schon tragen. Denn die Steuerzahler auf den Virgin-Islands, in Panama oder Monaco werden es wohl kaum sein…

Die christliche Partei des Landes Nordrhein-Westfalen wird das ganze exakt so sehen und sich diese Sichtweise auch weiterhin gut bezahlen lassen. So wie es vermutlich auch die sozialdemokratische Partei des Landes Niedersachsen im Falle von manipulierten Dieselkarossen aus Wolfsburg getan hat. Korruptionäre aller Länder vereinigt Euch! Hoch lebe die Bananenrepublik Deutschland!

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