USA und Kanada 2013 – Teil 5

Ab Atlanta war ich nun wieder alleine unterwegs. Ich verlasse des Zug bereits kurz vor Washington DC, in Alexandria. Überragt von einem riesigen Freimauermonument, das einen tollen Blick auf Alexandria bietet, wirkt die Stadt geradezu britisch. Rote Backsteinhäuser mit runden Türen, einige Kirchen, alte Speichergebäude am Hafen. Eins von mehreren Highlights in der Gegend von Washington DC. Von hier aus ist es nicht weit bis Fredericksburg VA, ebenfalls eine historische Kleinstadt. Alles ist hier voll mit weiß-blauen Fahnen, denn bei Maßkrügen und Brezeln findet hier gerade das Oktoberfest statt.

Ich quartiere mich wieder in demselben Hostel in der H-Street ein und nutze DC noch als Standort für Ausflüge in die Umgebung: Anapolis, die Hauptstadt von Maryland, ein Stück Irland an der US-Ostküste. Der alte Hafen, das State-Capitol, enge Gassen und die großzügige Navy-Academie.

Wenig beachtet wird bislang die Stadt Baltimore, das städtische Zentrum zwischen DC und Philadelphia. Sie gilt als eine der Städte mit der höchsten Kriminalitätsrate und ein Blick aus dem Zugfenster im Bereich der Vorstädte lässt auch erahnen warum.

Dabei sind die Stadtteile zwischen dem Bahnhof und Downtown wirklich großartig. Schöne Plätze, repräsentative Gebäude. Downtown selbst wurde in den 60er und 70er Jahren durch Flächenabriss leider weitgehend verunstaltet. Heute stehen hier einfallslosteste Hochhäuser. Immerhin erhielt das Gebiet um den alten Hafen in den letzten Jahren wieder einiges an Flair zurück, indem die alten Lagerhallen und Speichergebäude saniert wurden. Für einen Besuch weiterer sehenswerter Viertel östlich von Downtown, in denen sich ein großer Teil des Nachtlebens abspielt, hat die Zeit leider nicht gereicht. Grund um nochmal hin zu fahren. Der Abend endete in Alexandria bei einer Irish Session, meine Bouzouki hatte ich dabei. Gute Musiker, nette Leute.

Mein letzter Tag in den USA. Nochmal ein Spaziergang in der Gegend des Capitols, wo gerade ein mächtiger Aufmarsch an Fernsehsendern zu beobachten war. Die Republicans hatten gerade mit ihrer Weigerung einem Nachtragshaushalt zuzustimmen einen staatlichen Shutdown herbeigeführt. Gehaltszahlungen für staatliche Angestellte waren somit blockiert, Behörden, soziale Einrichtungen musste geschlossen werden. Ein waschechter Erpressungsversuch um Obamacare, die vor einigen Jahren eingeführte Krankenversicherung wieder abzuschaffen. Ist ja Sozialismus, wenn man den Bürgern eines Landes einfach so ermöglicht, zum Arzt zu gehen. Also weg damit! Damals dachte man schon: tiefer kann diese Partei nicht mehr sinken, sieben Jahre später wissen wir: eine äußert optimistische Sichtweise. Gegen Nachmittag schließlich ging es zum Flughafen, wo es hieß: bye-bye America.

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